Närrisches Narrenjubiläum

Es ist unterm Hohentwiel eine liebgewonnene Tradition, dass die Narren sich am Fasnet-Suntig beim Närrischen Jahrmarkt auf dem Rathausplatz treffen. De Billige Jakob mit seinen unzähligen Kuriositäten, das Bähnchen, das Kindertheater der Muttersproch Gesellschaft der Wurstzipfelstand sowie jede Menge Spaß und Foppereien machen ihn zu einem harmonischen Ausklang der Straßenfasnet in Singen für die ganze Familie.  

Vor 125 Jahre gab es den Närrischen Jahrmarkt das erste Mal. Wie der Marktmeister der Poppele-Zunft Rainer Maier, mutmaßt, vielleicht begründet aus einem Fasnetmotto. Ab den 50 er Jahren sei der Jahrmarkt in Singen richtig ins Rollen gekommen und aus der Singener Fasnet nicht mehr wegzudenken. Für den ehemaligen Marktmeister Wolfgang Denzel ist es ein »toller Treffpunkt«. Für Jogi Kohnle, der von 1993 bis 2013 Meister über den Jahrmarkt war, sind es die Vereine, die gemeinsam hier so vieles auf die Beine stellen. In einem Jahr musste sie den Platz für den Jahrmarkt selbst mit Raupen von Hans Willam räumen. Wegen der Kuwait-Krise fiel er 1991 aus. Christian Siebold erinnert sich im Gespräch mit dem WOCHENBLATT an die Erbsensuppe in den 60er Jahren, die die Maggi ausschenkte. Auch 2019 war wieder für Speis und Trank in unterschiedlichster Weise gesorgt.

Doch auch die Truppen vom Zunftball wie der mobile Stammtisch und der Straßenfasnet wie der »Glo-Bus« – die mobile Toilette mit Schaffner Helmut Thau machten Station beim Närrischen Jahrmarkt. Originell die Ablassbriefe, die die Freunde der Scheffelhalle anboten und die gerade an Fasnet reißenden Absatz fanden. 

Zunktkanzler Ali Knoblauch und Säckelmeister Holger Marxer zogen ein positives Fazit einer tollen Fasnet in Singen. Das Sicherheitskonzept sei voll aufgegangen, so Marxer. Und Knoblach scherzte, für das tolle Wetter sei der Zunftkanzler verantwortlich gewesen.

Quelle: Wochenblatt Singen

Narren sind bereit für die Fasnet in Singen

Die Kirche im Dorf zu lassen, das fällt den Narren in Singen gar nicht erst ein. Kurz vor dem Start der närrischen Hochzeit am Schmotzgen Dunschtig bringen sie zum Zunftball die stummen Glocken der Herz- Jesu-Kirche kurzerhand in die Scheffelhalle zum legendären Ball der Bälle im Stall der Ställe. „Lond au d’Kirch im Dorf“ lautet das Motto der Fasnet 2019 in Singen, mit dem Poppele-Zunftmeister Stephan Glunk die Hästräger zur Maskenprämierung beim Zunftball empfangen hat und nicht nur die goldsamtenen Glocken haben dies thematisch aufgegriffen.

Die Zunftball-Besucher haben ein untrügliches Gespür für das, was fehlt in der Stadt. Neben dem Streit um Glockenklang, vermissen die Freunde der Fasnacht närrische Kneipen zur fünften Jahreszeit. Gleich mehrere Gruppen haben dies thematisiert und sich als mobile Gastronomieeinheiten – bis hin zum kompletten Biergarten auf Rädern – auf den Weg gemacht. Und natürlich steht die Diskussion um den Klimaschutz im Herzen der Nordstadt ganz oben auf der Agenda: Bienchen, Blümchen und die Knöpfleswies – die dürfen am Ende auch nicht fehlen: „Inzwischen hätt’s de OB gschnallt, et bliebt er – unser Knöpfleswald“, reimten die Narren.

Was überraschenderweise mitten im Februar auch nicht gefehlt hat, war die unterhaltsame Art Urlaubsgefühl und Strandflair: Nach einem sonnigen Wochenende haben sich die Verkäufer schicker Sonnenbrillen und -hüte unters närrische Volk gemischt, und die Stimmung geschickt ausgenutzt, während die Partyband Lemongras einmal mehr mit treibenden Rhythmen die Masse der Zunftballbesucher auf der Tanzfläche in Bewegung hielt. Am Rande war Scheffelhallen- Fördervereinsvorsitzender Peter Gäng als Spendensammler unterwegs, um das ewige Provisorium vor dem Verfall zu retten, und eine Gruppe Zeitungsenten hat sich den Erhalt des SÜDKURIER zum Thema gemacht. „Drei Abos haben fast nicht gereicht“, schnatterten sie dem Reporter ins Ohr. Ihr Lohn, ein Preis bei der Maskenprämierung.

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